Der ÖFT-Olympia-Blog 2008:
RG-Bundesfachwartin Gabriela Welkow-Jusek
(auf "Fan"-Trip mit ihrem Ehemann)
25. August 2008:


"Wir sind seit gestern Abend wieder zurück... und jetzt hab ich auch wieder Internet ohne Ende ;-)
Jedes Mal, wenn ich im Hotel nach mehrmaligen Reklamationen eine freie Leitung bekommen hatte und an euch Infos und Fotos geschickt hatte, war eben diese Leitung dann für zwei Tage wieder tot...
 
Freitag 22.8.: Caro hat Keule und Band super geturnt, aber leider ....
Danach haben wir uns alle im Österreich-Haus getroffen, Caro im Großen und Ganzen zufrieden, aber halt doch nicht ganz (sonst wär´s ja auch nicht Caro), Lucia glücklich und total geschafft, Caros Eltern und die Vorarlberger Truppe mächtig stolz. Wir haben mit Gabi Jahn auf ihren Geburtstag angestoßen (und ich denke, sie war wirklich froh über unsere "Happy Birthday"-Gesangsversuche ;-).
Gabi war auch schon sehr müde und jetzt hat sie nach einer kurzen Pause noch die Paralympics vor sich...
 
Samstag 23.8.: Wir sind mit dem freundlichsten Taxifahrer der Woche zur Chinesischen Mauer bei Badaling gefahren - unvorstellbar - 1. die Mauer, 2. die grrrrrrrrrrrr......... Chinesen, 3. der Taxler .... er hat die ganze Zeit versucht mit uns Englisch zu reden (Wortschatz - hallo, welcome, Big Wall, Summerpalace, beer (!!! warum wohl ???), go .... unser Wortschatz nihao - guten Tag, bu - nein, wu bu dung - ich verstehe nicht, bidschu - Bier (aaahhh) und siaesiae - danke) und das 4,5 Std. lang, weil ja die Chinesische Mauer 75 km nördlich von Beijing liegt...

Dort war es dann extrem heiß, steil, und natürlich unendlich lang. Beim Zurückfahren ging's mir dann schon gar nicht mehr gut und nachdem ich seit dem 2. Tag kaum mehr Luft bekommen hatte, haben es mir meine Bronchien so richtig zurück gezahlt - nix ging mehr, Fieber, Medikamente ... und keine Zigaretten - so kann man auch zum Nichtraucher werden... Ich habe dann das RG-Finale im TV auf Chinesisch gesehen und hatte nur Angst, dass ich am Sonntag nicht nach Hause fliegen kann, weil ich bei einer der hunderttausend Sicherheitskontrollen Probehusten müsste und die mich dann noch dort behalten;-)

Bob hat dann auch noch mein Handy gesperrt, weil ich laut SMS-Info von bob in den letzten 10 Tagen ungewöhnlich hohe Telefonkosten hätte und man sich denke, es wurde mir gestohlen und so haben sie es sicherheitshalber lahm gelegt, weil bei bob kannst nur über eine 900er-Nummer die Servicestelle erreichen, aber halt nicht aus Beijing - Sachen gibt's...

Ansonsten unser Resümee und jetzt auch so, weil wir sicher zu Hause sind:

Donnerstags war das Wetter total besch..., den ganzen Tag Regen, Smog Smog Smog... Die Chinesen gingen mir gewaltig auf die Nerven, sie sind laut, unhöflich und unappetitlich... im Gegensatz dazu ist Beijing a Wahnsinn... unglaubliche Bauten, alles ist so riesig, dass man Angst kriegen kann... wir sind fast alle Strecken mit dem Taxi gefahren (kost fast nix und das Technical Gymnasium für RG war als einzige Sportstätte echt am A.... von Peking, keine für uns verständlichen Öffis dorthin, eh klar, an den letzten Tagen von OS,
alle sind schon auf Sightseeing und noch mehr beim Shoppen...

Am Mittwoch hatte ich Johanna getroffen, die so happy war, dass sie ihr Flugticket ändern konnte - und sie ist noch in der Nacht nach Hause geflogen... Das offizielle China ist sehr bemüht, alles ist so sauber, die Metro ist picopello (Wien sollte sich das mal anschauen), aber irgend wie kriegst den Eindruck net weg, dass diese plötzliche "Öffnung" und aufgesetzte Freundlichkeit die Einheimischen total überfordert - und uns dann natürlich gleich dazu ... Eigentlich unterscheidet sich Peking nicht so sehr von Hongkong - aber es sind die Farben (i spinn net, ehrlich), wenn du in Hongkong die Bauten und das Drumherum anschaust, geht´s dir gut, alles schaut a bissl versnobt aus, also "rich", hier geht's auf die Straße und du denkst - Kommunismus - echt - so schaut's auch in Moskau aus, z.B.... komische Häuserfarben, beschienenes Gelb, nix Schönbrunn..., verrostete Fensterrahmen (privijet gospodin Lenin).

Nach wie vor ist es als Privatperson echt schwierig, dort etwas auf die Beine zu bekommen... die Taxler verstehen nix, nicht einmal chinesisch ... echt ... Wörter wie Hotel oder stop - nix da ... Katastrophe...

Wir haben am Donnerstag einen älteren Deutschen aus Stuttgart nach dem Wettkampf aufgelesen und ins Österreich-Haus mitgenommen, und dann leider nur mehr Leberkäs und Würstel und Stiegl Bier - gratis immerhin, die Deutschen verlangten als Zutritt für ihr Deutschland-Haus 200 Euro (echt , nicht Yuan) - er war aber trotzdem zufrieden, außerdem liebt er Österreich und kommt immer zum Schifahren nach Großarl...

Gegenüber unseres Hotels gab es den Carrefour Beijing - Gott sei Dank - und jede Menge Essen zu kaufen (aber Achtung - nur anschauen, nicht essen, mein lieber Kras hat's trotzdem getan und Dank der Ärzte im Technical Gymnasium Beijing, also Caros Wettkampfhalle, die ihn mit einer "Wunderpille" gerettet haben, hat er alles gut überstanden) , besser Wasser und Orangensaft per Zimmerservice um 50 Cent ... Essen hatte ich mir hier mittlerweile abgewöhnt (so kann man seine Gewichtsprobleme auch in den Griff bekommen...)

Am Dienstag waren wir Chinesisch essen (Kras hat´s gegessen, ich hab das Essen in den Schüsselchen umverteilt - grausig, aber i bin offensichtlich zu heikel...), wenigstens hab ich tags darauf im Österreich-Haus ein Stück schwarzes Brot ergattert - Genuss pur...
dann aber haben wir endlich auch geschafft, was Gabi Jahn die ganze Woche gelungen ist: wir waren 1 x toll Essen - Im DA Dong Roasted Beijing Duck Restaurant, angeblich das zur Zeit beste in Beijing (Samaranch war am Tag vorher auch da) - und .... wunderbar (echt, und net weil wir schon so hungrig waren).

Das Fernsehen im Hotel war zensuriert, wir hatten sage und schreibe 49 chinesische Sender.... in Chinesisch... und einen chinesischen Sender in Englisch... da diskutierten sie die ganze Zeit in endlosen Gesprächsrunden über Olympia... 49 Sender, davon 40 Sender Olympische Spiele - und der Rest waren offensichtlich chinesische Soaps (unglaublich) in Mandarin mit kantonesischen Untertiteln.. hai!!!

Unsere Reise war extrem - schön, spannend, anstrengend, erfahrungsreich, emotional - wir haben uns riesig mit Caro gefreut, mit Lucia gelacht (ich sage nur: Österreich-Brille ) und geschimpft (auf die Caro-Wertungen, was sonst ;-), haben mit Almudena geweint, als sie ihre letzte Übung geturnt hatte und dachte, es war ihre letzte und dann wieder gelacht, als wir sahen, dass sie sich als 10. für's Finale qualifiziert hatte.

Toll - Hongkong, we will meet again, Beijing und die Volunteers, die Bauten alt und neu, Caro, Lucia, Annires und alle wunderbaren Gymnastinnen.
Nix toll - Beijing und der Smog auch bei strahlend blauen Himmel, Aufpasser überall (aber vielleicht kannst auch nur so 1,3 Milliarden Leute dirigieren), ohne Chinesisch geht nix (Englisch, Französisch, Deutsch, Russisch etc., was immer wir auch probiert haben - und zusammen sprechen wir immerhin 7 Sprachen - nix half).

Der Rückflug mit der AUA war dann super (oder war's auch die Vorfreude auf zu Hause) mit Scherbaum, Grabner, Schweitzer, Maurer & CO, echter Kaffee, keine Turbulenzen und blitzschnell.

Danke nochmals an das ÖOC und IMSB und jetzt beginnt wieder der Alltag, schade und auch Gott sei Dank, in einer Stunde muss ich in die Arbeit - mal schauen was mein Jetlag dazu sagt.

LG Gabi und Kras"