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Seit Januar 2006 gelten weltweit radikal veränderte
Wertungsvorschriften im Kunstturnen. Die frühere "Traumnote 10" ("magic 10")
als Absolutmaß der Turndinge ist Vergangenheit. Jetzt sind Kürnoten nach
oben offen und Rekorde werden möglich.
Der Ausführungsqualität wird nun im Verhältnis zur Schwierig-keit
deutlich mehr Bedeutung zuerkannt, als in den letzten Jahr(zehnt)en.
Nach den
Vorfällen bei den Kunstturnbewerben der Männer anlässlich der olympischen
Spiele von Athen 2004, kam die gesamte Sportart seitens des IOC wieder
einmal massiv unter Druck. Der Präsident der FIG, Bruno Grandi, sah sich
gezwungen, Reformen der Wertungsvorschriften in Gang zu bringen. Sein
Reformeifer ging dahin, die Vorschrift transparenter, universeller und vor
allem resistenter gegen Unkorrektheiten aller Art zu gestalten.
Ausgestattet mit dem Einverständnis des FIG-Exekutivkomitees beauftragte er
die jeweiligen Technischen Komitees mit der Ausarbeitung neuer
Wertungsvorschriften. Wesentlichste Neuerung und somit Abschied von bisher
gewohntem ist, dass die Endnote nun „nach oben
offen“ ist. Die Note setzt sich generell aus den Faktoren
„Übungsinhaltswert“ (A-Note) und „Übungsausführung“ (B-Note) zusammen. Die
Summe aus diesen beiden Teilen ergibt die Endnote.
Das Bemerkenswerte an dieser Innovation ist,
dass der Faktor der Übungsausführung
gegenüber dem Inhaltswert extrem hoch in die Wertung eingeht.
Dies rührt daher, dass Ausführungsfehler von der theoretischen Höchstmarke dieser
B-Note = 10,00 abgezogen werden. Die
„magische 10“ scheint also zumindest in der Ausführung einer Übung noch
auf.
Der
Übungsinhaltswert (A-Note)
errechnet sich wie folgt:
Sprung:
Schwierigkeitswert, der in einer Sprungtabelle
angegeben ist.
Stufenbarren/Boden: Die
9 höchsten Schwierigkeitswerte (Elemente) plus Abgang.
Balken: Die
8 höchsten Schwierigkeitswerte (Elemente) plus Drehung plus
Abgang.
Die
Einstufung der Elemente
erfolgt in 7 Stufen mit der Bezeichnung A bis G.
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet:
A-Teil:
0,1 Punkte
Jedem Teil ist ein
bestimmter Wert zugeordnet:
B-Teil:
0,2 Punkte
Jedem Teil ist ein
bestimmter Wert zugeordnet:
C-Teil:
0,3 Punkte
Jedem Teil ist ein
bestimmter Wert zugeordnet:
D-Teil:
0,4 Punkte
Jedem Teil ist ein
bestimmter Wert zugeordnet:
E-Teil:
0,5 Punkte
Jedem Teil ist ein
bestimmter Wert zugeordnet:
F-Teil:
0,6 Punkte
Jedem Teil ist ein
bestimmter Wert zugeordnet:
G-Teil:
0,7 Punkte
Zu diesen Elementen einer Übung, die in Betracht gezogen werden, kommen
noch Elementgruppenanforderungen (EGA).
Wie schon im vergangenen Code de Pointage gibt es auch jetzt wieder an jedem
Gerät 5 Elementgruppen, die eine vielfältige Gestaltung einer Übung
erzwingen sollen.
Für jede gezeigte Elementgruppe werden 0,5 Punkte zu den Elementwerten
addiert.
Man sieht schon, dass keine Mindestanforderung an die Schwierigkeit mehr
gestellt wird. Auch mit einer leichteren Übung ist man in der Lage, durch
eine abwechslungsreiche Gestaltung für 4 Elementgruppen den
Übungsinhaltwert um 2,0 Pkt. zu erhöhen. Eine Sonderregelung gibt es für die
Elementgruppe V (Abgang). Hier erhält die Turnerin je nach Schwierigkeit
unterschiedliche Zuschläge. Für Abgänge der Schwierigkeit A oder B gibt es
keinen Zuschlag, für einen C-Abgang +0,3 Pkt. und für einen D-Abgang oder
schwieriger +0,5 Pkt. Zuschlag.
Als letzte Möglichkeit, den Übungsinhaltswert zu erhöhen, gibt es
Verbindungsbonus für
die direkte Aneinanderreihung ausreichend schwieriger Elemente. Bei den
Frauen müssen alle Verbindungen direkt sein, nur am Boden können
akrobatische Elemente auch indirekt verbunden sein; Es werden dafür 0.1 oder
0.2 Bonuspunkte vergeben.
Die zuletzt anläßlich der WM gezeigten Übungen
würden nach dem neuen Berechnungs-schema einen Übungsinhaltwert (A-Note) von
durchschnittlich 5,7 Pkt. erzielen.
Um diesen Trend noch zu verstärken, wurden auch die
Abzüge für Verstöße gegen technische und
haltungsmäßige Anforderungen stark erhöht.
Der „kleine“ Fehler bleibt bei einem Abzug von 0,1 Pkt., der „mittlere“
Fehler wird aber schon mit 0,3 Pkt. bestraft und der „schwere“ Fehler zieht
nun überhaupt einen Abzug von 0,5 Pkt. nach sich. Ein Sturz mit 0,8 Pkt.
Bestrafung (= äquivalenter Wert von 2 lupenreinen D-Teilen) wird nun
überhaupt zur mittleren Katastrophe.
Der Grundtenor, „man darf im Wettkampf nur Elemente turnen, die man mit
hoher Sicherheit und ausgezeichneter Ausführung beherrscht“, zieht sich mehr
denn je durch die gesamte Wertungsvorschrift.
.
Beispiel
einer Kür-
Übung |
Schwierigkeitswerte: |
4 D-Teile |
= |
1,6 Punkte |
| . |
3 C-Teile |
= |
0,9 Punkte |
| . |
2 B-Teile |
= |
0,4 Punkte |
| . |
1 A-Teil |
= |
0,1 Punkte |
| . |
Teilsumme. |
= |
3,0 Punkte |
| . |
. |
. |
. |
| Elementgruppenanforderungen |
4x 0,5 Punkte |
= |
2,0 Punkte |
| . |
Abgang C |
= |
0,3 Punkte |
| . |
Teilsumme. |
= |
2,3 Punkte |
| Verbindungen |
. |
= |
0,3 Punkte |
|
A-Note (Inhaltswert) |
. |
= |
5,6 Punkte |
|
B-Note (Ausführung) |
10 - 1,3. |
= |
8,7 Punkte |
|
A-Note
+ B-Note = Endnote |
5,6 +
8,7. |
= |
14,3 Punkte |
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