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Letztes
Update:
16.03.2012

Impressum

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Einführung: Wie Übungen bewertet werden

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Seit Januar 2006 gelten weltweit radikal veränderte Wertungsvorschriften im Kunstturnen. Die frühere "Traumnote 10" ("magic 10") als Absolutmaß der Turndinge ist Vergangenheit. Jetzt sind Kürnoten nach oben offen und Rekorde werden möglich. Der Ausführungsqualität wird nun im Verhältnis zur Schwierig-keit deutlich mehr Bedeutung zuerkannt, als in den letzten Jahr(zehnt)en.

Nach den Vorfällen bei den Kunstturnbewerben der Männer anlässlich der olympischen Spiele von Athen 2004, kam die gesamte Sportart seitens des IOC wieder einmal massiv unter Druck. Der Präsident der FIG, Bruno Grandi, sah sich gezwungen, Reformen der Wertungsvorschriften in Gang zu bringen. Sein Reformeifer ging dahin, die Vorschrift transparenter, universeller und vor allem resistenter gegen Unkorrektheiten aller Art zu gestalten.

Ausgestattet mit dem Einverständnis des FIG-Exekutivkomitees beauftragte er die jeweiligen Technischen Komitees mit der Ausarbeitung neuer Wertungsvorschriften. Wesentlichste Neuerung und somit Abschied von bisher gewohntem ist, dass die Endnote nun „nach oben offen“ ist. Die Note setzt sich generell aus den Faktoren „Übungsinhaltswert“ (A-Note) und „Übungsausführung“ (B-Note) zusammen. Die Summe aus diesen beiden Teilen ergibt die Endnote.

Das Bemerkenswerte an dieser Innovation ist, dass der Faktor der Übungsausführung gegenüber dem Inhaltswert extrem hoch in die Wertung eingeht. Dies rührt daher, dass Ausführungsfehler von der theoretischen Höchstmarke d
ieser B-Note = 10,00 abgezogen werden. Die „magische 10“  scheint also zumindest in der Ausführung einer Übung noch auf.

Der Übungsinhaltswert (A-Note) errechnet sich wie folgt:
Sprung: Schwierigkeitswert, der in einer Sprungtabelle angegeben ist.
Stufenbarren/Boden: Die 9 höchsten Schwierigkeitswerte (Elemente) plus Abgang.
Balken: Die 8 höchsten Schwierigkeitswerte (Elemente) plus Drehung plus Abgang.

Die Einstufung der Elemente erfolgt in 7 Stufen mit der Bezeichnung A bis G.
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet:
A-Teil: 0,1 Punkte
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet: B-Teil: 0,2 Punkte
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet: C-Teil: 0,3 Punkte
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet: D-Teil: 0,4 Punkte
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet: E-Teil: 0,5 Punkte
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet: F-Teil: 0,6 Punkte
Jedem Teil ist ein bestimmter Wert zugeordnet: G-Teil: 0,7 Punkte

Zu diesen  Elementen einer Übung, die in Betracht gezogen werden, kommen noch Elementgruppenanforderungen (EGA). Wie schon im vergangenen Code de Pointage gibt es auch jetzt wieder an jedem Gerät 5 Elementgruppen, die eine vielfältige Gestaltung einer Übung erzwingen sollen.

Für jede gezeigte Elementgruppe werden 0,5 Punkte zu den Elementwerten addiert. Man sieht schon, dass keine Mindestanforderung an die Schwierigkeit mehr gestellt wird. Auch mit einer leichteren Übung ist man in der Lage, durch eine abwechslungsreiche Gestaltung für 4 Elementgruppen den Übungsinhaltwert um 2,0 Pkt. zu erhöhen. Eine Sonderregelung gibt es für die Elementgruppe V (Abgang). Hier erhält die Turnerin je nach Schwierigkeit unterschiedliche Zuschläge. Für Abgänge der Schwierigkeit A oder B gibt es keinen Zuschlag, für einen C-Abgang +0,3 Pkt. und für einen D-Abgang oder schwieriger +0,5 Pkt. Zuschlag.

Als letzte Möglichkeit, den Übungsinhaltswert zu erhöhen, gibt es Verbindungsbonus für die direkte Aneinanderreihung ausreichend schwieriger Elemente. Bei den Frauen müssen alle Verbindungen direkt sein, nur am Boden können akrobatische Elemente auch indirekt verbunden sein; Es werden dafür 0.1 oder 0.2 Bonuspunkte vergeben.

Die zuletzt anläßlich der WM gezeigten Übungen würden nach dem neuen Berechnungs-schema einen Übungsinhaltwert (A-Note) von durchschnittlich 5,7 Pkt. erzielen.

Um diesen Trend noch zu verstärken, wurden auch die Abzüge für Verstöße gegen technische und haltungsmäßige Anforderungen stark erhöht. Der „kleine“ Fehler bleibt bei einem Abzug von 0,1 Pkt., der „mittlere“ Fehler wird aber schon mit 0,3 Pkt. bestraft und der „schwere“ Fehler zieht nun überhaupt einen Abzug von 0,5 Pkt. nach sich. Ein Sturz mit 0,8 Pkt. Bestrafung (= äquivalenter Wert von 2 lupenreinen D-Teilen) wird nun überhaupt zur mittleren Katastrophe.

Der Grundtenor, „man darf im Wettkampf nur Elemente turnen, die man mit hoher Sicherheit und ausgezeichneter Ausführung beherrscht“, zieht sich mehr denn je durch die gesamte Wertungsvorschrift.
 

 .
 Beispiel
 einer Kür-
 Übung
 Schwierigkeitswerte:  4 D-Teile = 1,6 Punkte
.  3 C-Teile = 0,9 Punkte
.  2 B-Teile = 0,4 Punkte
.  1 A-Teil = 0,1 Punkte
.

Teilsumme.

= 3,0 Punkte
. . . .
 Elementgruppenanforderungen  4x 0,5 Punkte = 2,0 Punkte
.  Abgang C = 0,3 Punkte
.

Teilsumme.

= 2,3 Punkte
 Verbindungen . = 0,3 Punkte
 A-Note (Inhaltswert) . = 5,6 Punkte
 B-Note (Ausführung)

10 - 1,3.

= 8,7 Punkte

 A-Note + B-Note = Endnote

5,6 + 8,7.

= 14,3 Punkte

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