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Kaum ein Sport hat so ein weit gefächertes
Themenspektrum zu bieten, wie das Turnen.
Und auch kaum ein Sport kennt so ein großes Wort-Dickicht für etwas, das
über große
Strecken allerdings (fast) das selbe ist. Schön verwirrend, vor allem für
Neueinsteiger und
Interessenten. Hier der Versuch, das seltsame Rätsel zu lösen.
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Wenn ein Kind sagt, dass es in der Schule eine Stunde „Turnen“
gehabt hat, hat es zu-
meist hauptsächlich irgend etwas mit einem Ball getan. Im Turnverein turnt
es aber etwas
ganz anderes. Des ersten Rätsels Lösung: Das im Volksmund unausrottbare „Schulturnen“
(das offiziell auch nicht mehr „Leibesübungen“ sondern heute „Bewegung und
Sport“ heißt)
stammt aus der grauen Vorzeit und hat wirklich einmal offiziell diesen Namen
gehabt. Denn
es orientierte sich am Ursprungs-Verständnis des Namenserfinders Friedrich
Ludwig Jahn,
der mit „Turnen“ damals eigentlich die Gesamtheit aller Bewegungsformen
gemeint hatte.
Das "polysportive" (vielseitige) Kinderturnen
oder Kleinkinderturnen oder
Eltern-Kind-
Turnen in den Vereinen hat auch zumeist einen
ganzheitlich-spielerischen Ansatz.
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Fragt man irgendwo, was man am Reck, am Barren oder an den Ringen macht,
kriegt man
mit fast 100%iger Sicherheit entweder „sich blaue Flecke holen“ oder „Geräteturnen“
zur
Antwort. Korrekt ist allerdings „Gerätturnen“
ohne e in der Mitte. Denn Experten haben
heraus gefunden, dass bei uns nicht „die Geräte turnen“, sondern man
zungenbrecherisch
„am Gerät turnt“.
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In der Fachwelt trennt man diesen Oberbegriff (im Weltsprech „apparatus
gymnastics“) in
das „offene“ und das „formgebundene“ Gerätturnen. „Offen“ ist
alles: Vom Purzel-
baum und Rad auf der Wiese bis zur Flanke über den Gartenzaun. Oder, wenn
man so will,
auch Breakdance oder der „Parcour“-Trend (können Sie sich an die
Baustellen-Eröffnungs-
sequenz im James-Bond-Film Casino Royale erinnern? - das war
Parcour-Gerätturnen in
Perfektion... ;-). „Formgebunden“
ist Reckturnen am Reck und das Balkenturnen am
Schwebebalken. Also alles, was an den standardisierten Hallengeräten mit strukturierten
Bewegungsformen so stattfindet.
Vom Einstieg
bis zu komplexen Küren.
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„Kunstturnen“ schließlich bezeichnet das
Hochleistungssport-Segement des Gerättur-
nens. Wer einmal Weltmeister werden will, muss von klein auf intensiv
trainieren und be-
treibt Kunstturnen („artistic gymnastics“). „Team-Turnen“
(international: „TeamGym“)
zu guter Letzt ist ein in Österreich erst seit 2001 existierender
Mannschaftssport, der
aus Skandinavien importiert wurde.
Ist jetzt soweit alles klar ?!?!?
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Turnen oder
Gymnastik ?
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Auch das sollte man über das „Turnen“ vielleicht wissen: In nur zwei
Sprachen (Deutsch
und Ungarisch) gibt es den Begriff überhaupt – und damit auch eine
Abgrenzung zur „Gym-
nastik“. Überall sonst ist Gymnastik/gymnastics/gymnastique/gimnastica/usw.
der alleinige
Oberbegriff für all das, was wir in unserem Kulturkreis als „Turnsportarten“
bezeichnen.
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Bei uns gilt Friedrich Ludwig Jahn als der „Turnvater“ (er hat das Kunstwort
„Turnen“ er-
funden), sein sportlicher Verdienst ist unbestritten. Gar nicht so weit
entfernt, in Skandi-
navien, ist die Bedeutung Jahns allerdings schon nebensächlich. Denn dort
gelten Per und
Hjalmar Ling – die Erfinder der „Schwedischen Gymnastik“ – als die Begründer
des Turn-
sports. Das von dort ausgehende universelle und sich global durchgesetzt
habende Gym-
nastikverständnis kontrastiert deutlich mit der oft begrifflich-inhaltlichen
Einengung hier-
zulande.
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Jedem klar wird dies, der einmal eine Welt-Gymnaestrada erlebt: Der
„Turnsport“ präsen-
tiert sich weltweit facettenreicher, bunter und (wie selbstverständlich)
sparten-übergrei-
fender, als man das bei uns meist erlebt. Dass Kinder im Verein nicht nur
Gerätturnen
lernen, sondern in der selben Einheit auch Sportakrobatik und gymnastischen
Tanz (egal
ob Bub oder Mädchen) ist fast überall selbstverständlich. Eben „gymnastics“.
Nur bei uns
ist man auch im Hobbysport meist entweder Turner oder Sportakrobat oder
Gymnastin… |