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Österreichs Turnsport trauert um Inge Zohner

Österreichs Turnsport trauert um Inge Zohner

Ingeborg Zohner, eine der wesentlichsten Entwicklerinnen zuerst der Rhythmischen und dann besonders der Tanz-Gymnastik, ist am 13. Juli im 92. Lebensjahr im Kreis ihrer Familie verstorben.

Die überall als „Tante Inge“ bekannte internationale Koryphäe erhielt zahlreiche Landes- und Bundesehrungen, darunter schon 1998 das Goldene Ehrenzeichen des ÖFT.

Bereits 1957 gründete Inge Zohner die Gymnastikabteilung des Allg. Turnvereins Ebensee (Oberösterreich) und begann mit dem Aufbau „ihrer“ bald sehr erfolgreichen Gymnastikgruppe. Zuerst führte sie der Weg in die Rhythmische Gymnastik, wo sie anfangs der 1970er-Jahre in permanenter Konkurrenz zum zweiten, von Anni Wiklicki geleiteten, „Hotspot“ Wiener Neustadt gemeinsam mit diesem die Szene dominierte.

Doch schon bald entfernte sich Zohner vom Leistungs- und Wettkampfsport, widmete sich dem Aufbau ihrer eigenen Gymnastikschule. Sie entwickelte ein eigenständiges System bzw. eine neue Form rhythmischer Bewegung, die als „Tanzgymnastikschule Zohner“ internationale Anerkennung fand und mehrere Generationen nachhaltig prägte.

Abseits professioneller Tanz-/Ballettausbildungsstätten implementierte Zohner nahezu alle Stilrichtungen zeitgenössischen Tanzes, stand außerdem dafür ein, vom Einstieg weg die Handgeräte der Rhythmischen Gymnastik einzubinden. Zohner beschäftigte sich allerdings ebenso mit dem Schul- und dem Gesundheitssport, bot bspw. Tanzgymnastik für werdende Mütter an.

Die berühmte deutsche „Bode-Gymnastikschule“ hatte anfangs großen Einfluss auf Inge Zohners Arbeit, wie sie später wiederum selbst zu deren modernisierter Ausprägung beitrug. Als internationale Fachreferentin war Zohner in vielen Ländern im Einsatz, am häufigsten in Italien, Deutschland und der Schweiz.

Mit ihrer Top-Show-Auswahlgruppe nahm Inge Zohner insgesamt sechsmal an der Welt-Gymnaestrada teil, zuletzt 2007 in Dornbirn. Am Ende werden es wohl weit über tausend Mädchen und Frauen gewesen sein, die direkt bei Zohner gelernt und – eine von mehr als 500 Choreografien – trainiert hatten. Zahlreiche der „Zohner-Mädchen“ schlugen später selbst eine Sport-/Gymnastik-/Tanzlehrerinnen-Karriere ein und wirken bis heute als Multiplikatorinnen.

2019 ist kein gutes Jahr für die österreichische Gymnastikszene. Im April verstarb mit Anni Wiklicki die „Mutter der Rhythmische Gymnastik“ im 95. Lebensjahr. Nun folgte auch „Tante Inge“. Die Verabschiedung von der großen Tanzgymnastik-Pädagogin fand am Freitag, 19. Juli 2019 um 13:30 Uhr in der Pfarrkirche Ebensee statt. Das Beileid der Turnfamilie gilt den Angehörigen.



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